Bewegung fürs Herz

Gesund durch Herzsportgruppen

Das Herz ist unser wichtigster Muskel und Muskeln benötigen ein regelmäßiges Training. Aber wo liegt beim Sport die Belastungsgrenze für Menschen mit Herzerkrankungen, wie beispielsweise nach einem Infarkt? Wie so ein Sportangebot für Menschen mit Herzerkrankungen aussieht, zeigen die Herzsportgruppen in NRW. Die Herzsportgruppen lassen diese spezifischen Problemstellungen in ihr ausgewogenes Bewegungsprogramm einfließen und machen sie letztlich zu einer besonderen Form der Selbsttherapie.

Plötzlich ist er da, der Herzinfarkt. Ein Tiefschlag für die Gesundheit, der das Leben vieler Menschen von Grund auf verändert. Zahlreiche Personen leiden gerade in der Genesungszeit und danach unter einer unbestimmten Angst, ihr Leben nicht wie bisher weiterführen zu können.

Herzsport im Ruhrgebiet

Herzsport im Ruhrgebiet

Regelmäßig treffen sich im Ruhrgebiet Menschen, um den Folgen einer Herzerkrankung mit Sport zu begegnen oder aber einfach nur ihr Herz bzw. ihre Leistungsfähigkeit zu stärken. Sandra Schmitz ist Diplom-Sportwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Prävention und Rehabilitation: „Ich bin seit zehn Jahren als Übungsleiterin im Herzsport tätig und seit April Gruppenleiterin ‚Sport und Gesundheit‘ im Referat Breitensport des Landessportbundes NRW. Dort sind wir unter anderem für den REHASPORT und die Zertifizierung über RehaSUPPORT zuständig.“ Die Sportangebote zeichnen sich durch abwechslungsreiche Bewegungsübungen aus, welche die Belastbarkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer individuell stabilisieren und langfristig verbessern sollen. „Herzsport beinhaltet und verbindet mit viel Spaß und Freude (fast) nebenbei für die Teilnehmer relevante medizinische, psychologische und soziale Faktoren“, so Schmitz.

Das Körperbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Leistung werden ebenfalls gefördert. „Qualifizierte Übungsleiter schulen unter ärztlicher Betreuung der Teilnehmer, Körper- und Belastungswahrnehmung“, sagt Schmitz und führt aus: „So erhalten die Teilnehmer Sicherheit im Alltag und das Erreichen ihrer individuellen Ziele wird ermöglicht.“

Was wird angeboten?

Das Angebot reicht von Kinderherzsport, über Übungs- bzw. Trainingsgruppen in der Halle bis zu (Fahrrad-)ergometertraining und Hockergruppen. Dies ergibt sich aus den Gegebenheiten im Verein und der individuellen Belastbarkeit der Teilnehmer. Zu den Teilnehmern gehört die gesamte Bandbreite der Bevölkerung im Alter von Mitte 30 bis über 90 Jahre. Je nach Angebot muss eine Mindestbelastbarkeit gegeben sein – vor allem komplexe Krankheitsbilder bedürfen einer speziellen Betreuung. Hier ist grundsätzlich ärztliche Rücksprache vor der Teilnahme an Herzsportangeboten sowie ein individuelles Beratungsgespräch beim Anbieter vor Ort notwendig.

Das kommunale Angebot der Herzsportgruppen richtet sich speziell an den Zielen von Gesundheit und Gesundheitsförderung hinsichtlich Herzerkrankungen aus. Grundlage für die qualitativ hochwertige Durchführung von Herzgruppen ist die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.?V. (DGPR). Vereine, die an einer Durchführung von Herzsport oder anderen Rehabilitationsgruppen interessiert sind können sich unter
www.rehasupport.nrw informieren.

Herzsport tut gut

„Die Herzgruppe ist für Betroffene gut“, so ein 75-jähriger Teilnehmer aus Köln. „Man kann sich dort gut identifizieren, weil Leidensgenossen gleiche Probleme haben und man von den Erfahrungen anderer profitieren kann“, führt er aus. Zudem gäbe es eine kompetente Betreuung, die auch auf Probleme neben der Herzgruppe eingeht. „Aus der Gruppe entstehen außerdem private Freundschaften. Es tut gut, sich zweimal in der Woche körperlich zu betätigen und kon­trolliert und angeleitet auch mal richtig anzustrengen. Auf Dauer werden Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden deutlich gesteigert, was auch von ärztlicher Seite bestätigt und dauerhaft unterstützt wird. Kann ich nur jedem zu raten!“, so das Statement des Teilnehmers.

„Auch als Arzt und Übungsleiter kann man in der anspruchsvollen Herzgruppenarbeit viel lernen und jede Menge wertvolle Impulse bekommen – neben tollen menschlichen und ganz persönlichen Kontakten. Leider sind Ärzte fast immer Mangelware für diese sehr dankbare und schöne Aufgabe, die ich nur jedem ans Herz legen kann! Vielleicht melden sich ja einige engagierte Ärzte“, ergänzt Schmitz.

Um an dem Angebot teilzunehmen, wenden Sie sich direkt an Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt. Dort fragen Sie nach einer Verordnung für Rehabilitationssport nach dem „Muster 56“. Finanziell wird diese Verordnung von den gesetzlichen Krankenkassen, Renten- und Unfallversicherungen übernommen. Grundlage ist die „Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining“. 

Eine Herzsportgruppe in Ihrer Nähe finden Sie im Internet auf
www.rehasport-in-nrw.de.

Kontakt

Landessportbund
Nordrhein-Westfalen e.?V.
Sandra Schmitz
Gruppenleiterin Sport und Gesundheit
Friedrich-Alfred-Straße 25
47055 Duisburg
Tel.: 0203 7381838

www.lsb-nrw.de

GMR 15 • 2/2016 Text: Annika Schuppelius