Ernährung bei Rheuma

Gibt es eine Rheuma-Diät?

Eine Heilung von Rheuma ist aktuell noch nicht in Sicht und keine Diät oder Ernährungsweise kann die medikamentöse oder chirurgische Behandlung rheumatischer Erkrankungen ersetzen, dennoch zählen Diäten zu einem bedeutenden Begleitelement in der Rheumatherapie. Wo Grenzen und Möglichkeiten der Ernährung bei Rheuma liegen, darüber informiert u. a. die Deutsche Rheuma-Liga NRW, an die sich Betroffene wenden können.

Rheuma, ein Leiden älterer Leute? Eine falsche Vorstellung, denn die rheumatoide Arthritis, also das entzündliche Gelenkrheuma, tritt oft bereits im mittleren Alter auf. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Der Begriff „Rheuma“ umfasst zudem viele verschiedene Krankheitsbilder (siehe unten), darunter einige sehr seltene.

Gibt es eine Rheuma-Diät?

Rheumatische Erkrankungen verlaufen zum größten Teil chronisch. Das bedeutet für Betroffene, dass die Erkrankungen zwar wirksam behandelt, aber nicht vollständig geheilt werden können. Alle rheumatischen Erkrankungen gehen mit starken Schmerzen einher, welche die Betroffenen ihr Leben lang begleiten. Wichtig ist, dass erkrankte Personen bereits früh professionell therapiert werden, um Schäden an den Gelenken so gering wie möglich zu halten. Informationen und Hilfe zur Selbsthilfe sind ebenso wichtig, um den Alltag so normal wie möglich gestalten zu können. Therapien bei Rheuma sind für jeden Erkrankten individuell zugeschnitten, dazu gehören auch nicht-medikamentöse Therapien und Ernährungspläne.

Möglichkeiten und Grenzen von Diäten

Als ergänzende Maßnahme spielt die richtige Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen und insbesondere für die einhergehenden Begleiterkrankungen eine wichtige Rolle. „Es wurde aber bisher keine Diät beschrieben, die in der Lage gewesen wäre, die Entstehung von Schäden an Knorpeln und Knochen zu verzögern. Jedoch kann die Umstellung der Ernährung die Wirkung von Medikamenten und Operationen unterstützen“, so Bettina Teutenberg, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rheuma-Liga NRW in Essen. Denn durch eine gezielte Ernährungstherapie können Begleiterscheinungen positiv beeinflusst werden. Wer an Lebensmittelunverträglichkeit, starkem Über- oder Untergewicht, sowie Osteoporose leidet, sollte in jedem Fall individuell von Ernährungsexperten begleitet werden. „Bei Arthrose hilft Reduktionskost, denn jedes Kilogramm Gewichtsabnahme bringt Entlastung für Knorpel und Bänder“, fügt Teutenberg hinzu.

Eine Rheuma-Diät gibt es nicht

„Selbst Langzeitbeobachtungen an über 100.000 Personen konnten den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Rind- und Schweinefleisch und dem Ausbruch einer rheumatoiden Arthritis nicht sicher beweisen“, so Teutenberg. „Umgekehrt konnte auch die schützende Wirkung von Fischmahlzeiten nicht bewiesen werden. Eine Rheuma-Diät gibt es also nicht“, führt Teutenberg aus.

Durch den Trend zu natürlichen Therapiemethoden rücken gesunde Ernährungsweisen immer mehr in den Vordergrund. Patienten erhalten durch die Beeinflussung ihrer Ernährung die Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zur Eindämmung der rheumatischen Beschwerden zu leisten. Dabei ist die Ernährungsumstellung nur ein Faktor in der Rheumatherapie und sollte in ihrer Wirkung nicht unter, aber auch nicht überschätzt werden. Gesunde Ernährungsformen sind in erster Linie für die Vermeidung anderer Gesundheitsgefährdungen wichtig, wie z. B. von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Lebensgefühl verbessert sich, durch eine Abnahme wird die Belastung auf Gelenke gemindert und der Patient benötigt weniger Schmerzmedikamente.

Gicht durch Ernährung prinzipiell heilbar

„Die einzige rheumatische Erkrankung, die durch Ernährung im Frühstadium prinzipiell heilbar ist, ist die Gicht-Arthritis“, so Teutenberg. Dies setze jedoch den Verzicht auf Fleisch- und Wurstwaren, Bier und bestimmte Gemüsesorten voraus. Bei der rheumatoiden Arthritis habe eine Diät mit hohem Seefischanteil in klinischen Tests zu leichten Verbesserungen geführt. Auch die sogenannte „mediterrane Diät“ lindere nach drei Monaten die Schmerzen von Rheumapatienten. „Diese Ernährungsweise enthält insgesamt wenig Fett, aber einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse. Tierisches Eiweiß wird überwiegend in Form von Fisch zu sich genommen. Der Fleischkonsum ist reduziert und liegt bei höchstens einer Portion pro Woche“, führt Teutenberg aus.

Experimente zeigen, dass bestimmte Fettverbindungen sowohl entzündungshemmende oder entzündungsfördernde Wirkungen auf den Körper haben können. Diese wissenschaftlichen Fortschritte haben zur Gründung eines Arbeitskreises für Ernährungsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie geführt, bei dem sich Ärzte, Ökotrophologen und Ernährungsexperten mit den Themen Ernährung und Rheuma intensiv beschäftigen.

Die Komplexität von rheumatischen Erkrankungen lässt bereits erahnen, dass es kein Patentrezept hinsichtlich richtiger Ernährung gibt. Im Forum der Deutschen Rheuma-Liga können sich Rheuma-Patienten untereinander bezüglich ihrer Erfahrungen mit bestimmten Ernährungsweisen, wie beispielsweise Veganismus oder Vegetarismus austauschen. Die Broschüre „Die richtige Ernährung bei Rheuma“ sowie Informationsmaterial zu weiteren Themen kann kostenlos bei der Deutschen Rheuma-Liga NRW bestellt werden.

Bei Rheumatischen Erkrankungen wird unterschieden zwischen:

Entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, einer Systemerkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Betroffene fühlen sich allgemein krank und in ihrer Leistung eingeschränkt. Meist sind Entzündungswerte im Blut nachweisbar. Zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zählen die rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritiden (entzündliche Erkrankungen der Gelenke und Wirbelsäule, u. a. Morbus Bechterew und Psoriasis-Arthritis), Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), Vaskulitiden (Gefäßentzündungen). Bei Bindegewebserkrankungen und Vaskulitiden können Haut, Nieren, Herz, Gefäße und Blut bildende Organe betroffen sein und somit auch lebensbedrohliche Verläufe auftreten.

Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen sind Arthrosen. Hierbei kommt es zu Schäden am Gelenkknorpel, oft z. B. im Knie- oder Hüftgelenk. Die Schäden können rein altersbedingt sein oder durch Vorschäden, wie einen Knochenbruch oder starke Fehlstellungen, entstehen.

Weichteilrheumatismus umfasst alle nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen der Weichteile. Hierbei handelt es sich um Funktionsstörungen, die durch Überbelastung von Muskeln und der Reizung von Sehnen und anderen Weichteilgeweben entstehen. Einige Beispiele sind die Sehnenscheidenentzündung, Muskelverspannungen oder auch Rückenschmerzen. Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine ausgedehnte Form des Weichteilrheumatismus und zählt zu den chronischen Schmerzerkrankungen.

Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden sind Folgen von Erkrankungen außerhalb der Bewegungsorgane, wie beispielsweise Stoffwechselkrankheiten. Dazu gehört u. a. die Osteoporose, der Knochenverlust und Gicht, eine Störung des Harnsäurestoffwechsels, durch die es zur Anreicherung von Harnsäurekristallen in den Gelenken und somit zu Entzündungen kommt.

Kontakt

Deutsche Rheuma-Liga NRW e.?V.
III. Hagen 37
45127 Essen
Tel.: 0201 827970

www.rheuma-liga-nrw.de

GMR 15 • 2/2016 Text: Annika Schuppelius