Ernährung heute – was bedeutet das eigentlich?

Von Ernährungstrends, Gesundheitsaspekten und Lebensweisen

Was bestimmt aktuell unser Essverhalten, was ist uns wichtig und was eher nicht? Will man diese Fragen beantworten, erkennt man schnell zwei nahezu gegensätzliche Entwicklungen: Es scheint – vereinfacht gesprochen – zwei Gruppen zu geben.

Die eine Gruppe verbindet mit Ernährung ausschließlich die Funktion des Sattwerdens. Und das muss möglichst schnell, preiswert und unkompliziert geschehen. Fastfood-Produkte, Tiefkühlware und Fertig-Essen bedienen genau diese Bedürfnisse. Die andere Gruppe setzt sich sehr gewissenhaft mit der eigenen Ernährung auseinander. Diese Menschen sind in der Regel sehr gut informiert, sie verbinden Ernährung mit einem Lebensstil und haben hohe Ansprüche an die Qualität der Lebensmittel.

Slow-Food, veganes Essen, paleo, low carb ...

All das sind Ernährungstrends, die fast immer auch eng mit einem Lifestyle verbunden sind. Und dann heißt Ernährung heute eben auch, bewusst Verzicht üben – nicht nur weil auch das einem Trend entspricht, sondern für viele Menschen, weil es medizinisch notwendig ist. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien sind auf dem Vormarsch und bestimmen damit unser Ernährungsverhalten automatisch.

Ernährung heute: Trends, Gesundheitsaspekte und Lebensweisen

Das Stadtbild ist geprägt von Fastfood-Ketten, Snackbars, Imbissbuden und Coffee-to-go-Angeboten. Und das ist eindeutig die Antwort auf ein großes Bedürfnis vieler Menschen: Im Zuge von Schnelllebigkeit und hoher Arbeitsbelastung nehmen sich viele Menschen nicht mehr die Zeit für ein ausgewogenes Mittagessen in Ruhe. Hinzu kommt bei vielen Menschen mangelndes Interesse an gutem Essen in schöner Atmosphäre und ein merkwürdig positives Image von Fast-Food-Ketten, insbesondere bei jungen Leuten. Dieses Essverhalten gepaart mit Bewegungsmangel zeigt seine Folgen: Die Zahl der übergewichtigen Bürger ist groß. Laut der DEGS-Studie vom Robert-Koch-Institut sind über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig, rund ein Viertel leidet sogar unter krankhafter Fettleibigkeit, der so genannten Adipositas. Und diese Entwicklung macht auch nicht vor den Kindern halt: Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, sogar sechs Prozent müssen als adipös bezeichnet werden. Im Rahmen einer Studie über mehrere Jahre (KIGGS-Studie) konnte das Robert-Koch-Institut nachweisen, dass sich die Zahl der krankhaft fettleibigen Kinder im Vergleich zu Referenzwerten aus den Jahren 1985 bis 1999 damit verdoppelt hat. Der Anteil der übergewichtigen Kinder steigt mit dem Alter: Während neun Prozent der 3- bis 6-Jährigen zu viel Gewicht haben, sind es bei den 7- bis 10-Jährigen bereits 15 Prozent, und bei den 14- bis 17-Jährigen schließlich 17 Prozent.

Ernährung und Lifestyle als Trend

Zahlreiche Menschen scheinen von diesem Essverhalten faktisch satt zu sein. Ihnen geht es dabei nicht nur um ein kalorienärmeres Essen, um das eigene Körpergewicht im gesunden Maß zu halten. Sie sind auf der Suche nach alternativen Ernährungsformen, sie wollen sich bewusst, gesund und ausgewogen ernähren. Und dabei entwickeln sich ständig neue Ernährungstrends, die den Verzicht auf das ein oder andere Lebensmittel propagieren, die bestimmte Zubereitungsweisen im Fokus haben oder auch den Schwerpunkt auf Art und Zeitpunkt des Essens legen. So unterschiedlich diese Trends auch sein mögen, allen gemeinsam scheint der Fokus auf eine gesunde Ernährung, eine möglichst natürliche Nahrung und eine gesunde Lebensweise zu sein.

Vegetarisch, vegan – vom Exoten zur akzeptierten Lebensweise

Vegetarische Ernährung zeichnet sich vor allem durch den Verzicht auf Fleisch aus. Eine große Gruppe von Vegetariern folgt diesem Trend vorwiegend aus ethischen Gründen. Sie grenzen sich damit bewusst gegen den hohen Fleischkonsum der Deutschen und die damit verbundenen verheerenden Bedingungen von Massentierhaltung ab. Der volle Verzicht auf tierische Produkte wird in einer veganen Ernährung postuliert. Konsequente Veganer lassen Milch, Käse und Eier weg. Wer es ganz genau nimmt, trägt auch keine Kleidung aus Wolle oder Schuhe aus Leder und verhindert so in aller Konsequenz, dass ein Tier für menschliche Bedürfnisse geschlachtet werden muss. Diesem deutlich stärker werdenden Trend folgend, finden sich immer mehr Produkte mit der Bezeichnung „vegan“ in den Regalen der Supermärkte, es gibt eine Fülle von Rezepten in Kochbüchern, Zeitschriften, Internet und sozialen Netzwerken und auch die Zahl der Restaurants mit vegetarischen und/oder veganen Angeboten steigt deutlich. War es also vor wenigen Jahren noch sehr aufwendig und kompliziert, eine vegetarische oder gar vegane Lebensweise für sich durchzusetzen, so ist es mittlerweile deutlich leichter. Damit steigt automatisch auch eine gesellschaftliche Akzeptanz, eine solche Ernährungsweise ist heutzutage weit weniger exotisch und durchaus „salonfähig“.

Der Gegensatz zu vegan: Paleo

Anhänger der Paleo-Ernährung essen sehr viel Fleisch, Fisch und Eier, denn der Fokus dieser Ernährung liegt auf tierischen Eiweißen. Dabei landen nur Nahrungsmittel auf dem Speiseplan, die schon in der Steinzeit verfügbar waren. Damit sind Fleisch und Fisch genau so in Ordnung wie Meeresfrüchte, Eier, Obst und Gemüse, Pilze, Nüsse und Honig. Alles, was später durch Ackerbau und Viehzucht dazukam, wird gemieden: Getreide, Brot und Müsli, aber auch sämtliche Milchprodukte wie Joghurt oder Butter und auch Zucker sind tabu. Das Argument der Befürworter dieser Ernährungsweise ist einfach: Der menschliche Organismus ist seit Beginn der Evolution auf diese Ernährung ausgelegt und somit können diese Lebensmittel am besten vom Körper verarbeitet werden.

Und was ist nun richtig?

Einmal mehr gilt wohl: Es ist richtig, was uns gut tut. Und das ist höchst individuell. Sicher ist allerdings, dass eine Lebensweise, die ausschließlich mit Fast-Food, Fertigprodukten und dem „Essen nebenbei und zwischen Tür und Angel“ gestaltet wird, höchst ungesund ist. Und dabei liegt der Fokus nicht nur auf dem unweigerlichen Übergewicht, sondern auch auf dem nachlässigen Umgang mit sich. Ernährung ist weit mehr als Sattwerden! Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, sein Essen frisch zuzubereiten, dabei häufiger auf saisonal verfügbare Zutaten zurückgreift und dann auch in Ruhe und vielleicht sogar in geselliger Runde isst, ist mit Sicherheit auf einem guten Weg. Dabei schreckt mich ganz persönlich jeder allzu programmatisch und streng vorbestimmte Weg ab – ich finde, dass ein maßvoller Umgang mit den Dingen des Lebens erstrebenswert ist, bei dem weder der absolute Verzicht, noch das Übermaß regiert. Entscheidend dafür ist ein bewusster Umgang mit sich – und der schadet doch wohl nie!

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