Leistungssport und berufliche Karriere? 

Sport ist gesund. Sport ist ein Karrieresprungbrett. Mit Sport lassen sich Millionen verdienen. Doch wie lässt sich ein „gesundes“ Leben als Spitzensportler führen, wenn man nicht Fußball, Tennis oder Golf spielt? Am Beispiel von Julian Real, Olympiateilnehmer von 2008 im Wasserball und Werksstudent bei der Grillo-Werke AG in Duisburg, zeigt die Sportstiftung NRW, wie Sportlerkarrieren im Rahmen der dualen Ausbildung möglich sind.

Content_Wasserball_3

Es ist 06:00 Uhr früh in der Schwimmhalle, wenn sich Julian Real gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden vom Wasserball-Bundesligisten ASC Duisburg vom Beckenrand aufmacht, sein Tagewerk zu beginnen. Das Training beim amtierenden Deutschen Vizemeister nimmt mit ca. 16 Stunden pro Woche einen großen Teil der ihm zur Verfügung stehenden Zeit in Anspruch. Häufig kommen an den Wochenenden Spiele im gesamten Bundesgebiet mit entsprechenden Reisezeiten dazu.

„Durchschnittlich bin ich mindestens 25 Stunden pro Woche mit Wasserball und allem, was dazu gehört, beschäftigt“, erläutert der Zwei-Meter-Mann Real. Bundesligaspieler, Deutscher Vizemeister, Olympiateilnehmer – das hört sich nach einem bestens bezahlten Profisportler an. Doch Julian Real beschreibt die Realität: „Professionell sind bei uns der Aufwand und die Einstellung zum Sport, aber sicher nicht die Bezahlung!“

Sportsoldat bei der Bundeswehr

Bis Sommer 2012 war Real bei der Bundeswehr als Sportsoldat tätig und konnte sich so zwei Jahre lang auf den Wasserball konzentrieren. Drei Europameisterschaften, zwei Weltmeisterschaften und die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking 2008 als jüngster deutscher Wasserballer aller Zeiten stehen zu Buche. Darüber hinaus spielte der 23-jährige Oberhausener inzwischen bei über 100 Länderspielen. Eine sportliche Bilanz, auf die er stolz ist, auch wenn die verpasste Qualifikation für London 2012 immer noch schmerzt.

Im Frühjahr letzten Jahres stand für Real die Frage im Raum, wie er seine weitere Zukunft gestalten sollte. Sollte er vorhandene Angebote aus einer südosteuropäischen Profi-Liga annehmen und voll auf die Karte Wasserball setzen? Das kam für das Kind des Ruhrgebiets nicht ernsthaft in Frage: „Vielleicht hätte ich das mal für zwei Jahre ausprobieren können, um zu versuchen, wie weit ich wirklich sportlich kommen kann. Aber wie hätte dann meine berufliche Zukunft ausgesehen?“

Eliteförderung

In dieser Situation kam Real das Angebot der Sportstiftung NRW zu Hilfe, die anbot ihn in die Eliteförderung besonders talentierter Sportler aufzunehmen. Durch diese Maßnahme wird ausgewählten Persönlichkeiten im Spitzensport ermöglicht, parallel zur sportlichen Laufbahn eine herausragende berufliche Karriere aufzubauen. Bestandteil des gesamten Förderkonzeptes ist bei jeder individuellen Maßnahme ein Unternehmen aus der Region. Dort bekommt der Geförderte Praxishintergrund vermittelt und wird durch einen Paten aus dem Unternehmen betreut.

Nach einem ersten Gespräch mit der Sportstiftung NRW war für Real schnell klar, in welche Richtung die berufliche Reise nunmehr gehen würde: ein Wirtschaftsstudium an der Universität Duisburg-Essen. Parallel dazu wurden mit der Grillo-Werke AG ein geeignetes Partnerunternehmen und mit Ulrich Grillo, seit Januar 2013 BDI-Präsident, sein Pate gefunden.

Laufbahnberatung

Gemeinsam mit Katrin Sattler, Laufbahnberaterin am Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr in Essen, und den Trainern Arno Troost und Christian Vollmert wurden die sportlichen und universitären Planungen für Real bis 2016 langfristig aufeinander abgestimmt. Das klar formulierte Ziele lautet: Abschluss des Bachelor-Studiums im Wintersemester 2015/16 und Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016.

An dem bisherigen Karriereverlauf und der Karriereplanung von Julian Real wird deutlich, welchen Aufwand die mit dem Leistungssport in Nordrhein-Westfalen befassten Institutionen betreiben, um talentierten Nachwuchssportlern eine leistungssportliche Laufbahn zu ermöglichen. Am Anfang der Laufbahn steht in der Regel der erste Sport-Verein, der ein Talent erkennt und fördert. An den Landesleistungsstützpunkten der jeweiligen Sportarten, sind vom Landessportbund NRW unterstützte Projekte zur Talentsuche und Talentförderung an Grundschulen eingerichtet. Wenn junge Talente erfolgreich in einem Verein die sportliche Grundausbildung absolviert haben, werden sie bei Spielen vom Landestrainer – zum Beispiel des Schwimmverbandes – gesichtet, zu ersten Lehrgängen eingeladen und in die NRW-Auswahl berufen.

Im Falle Julian Real begann eine intensive Förderung durch den Olympiastützpunkt (OSP) Rhein-Ruhr in Essen durch die Einberufung zur Jugendnationalmannschaft. Laufbahnberatung, physiologische Leistungsdiagnostik wie z.B. die Ausdauerdiagnostik, Ernährungsberatung, Krafttraining, medizinische und physiotherapeutische Betreuung gehören zum Betreuungsstandard des OSP Rhein-Ruhr. Christian Vollmert, angestellter Landestrainer am OSP Rhein-Ruhr, betreut Real seit seinem 14. Lebensjahr und ist sich sicher: „Ohne die Einbindung aller Partner des Leistungssports in NRW ist es heute nicht mehr möglich, eine solide Ausbildung mit den Anforderungen des Leistungssports zu koordinieren.“

Ob 2016 nach den Olympischen Spielen das Ende von Reals sportlicher Laufbahn eingeläutet wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. Immerhin wäre Real dann erst 26 Jahre alt und könnte wahrscheinlich noch einen Olympiazyklus auf allerhöchstem Niveau spielen. Aber vielleicht wird er dann auch seine berufliche Karriere in den Mittelpunkt stellen. Es wird darauf ankommen, ob er auch weiterhin so viel Spaß am Sport haben wird und ob es auch dann noch möglich ist, Leistungssport und die berufliche Karriere unter einen Hut zu bringen – nicht zuletzt wird viel von seinem Gesundheitszustand abhängen.

Text: Frank Oberpichler, GMR 3/2013

Kontakte

Der Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr
bietet ein großes Spektrum von Leistungen. Neben wissenschaftlichen und trainingsbegleitenden Maßnahmen für die individuelle Leistungsoptimierung unterstützt die Laufbahnberatung beim OSP in der Förderung und Betreuung von Spitzenathleten sowie vielversprechenden Talenten – insbesondere bei der dualen Karriereplanung.

Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr e.V.
Wittekindstr. 62
45131 Essen
Tel.: 0201 435500

www.olympiastuetzpunkt.de

Die Sportstiftung NRW
ist die bundesweit größte Initiative eines Landes zur olympischen Nachwuchsförderung. Neben der Öffentlichkeitsarbeit für den Leistungssport in Nordrhein-Westfalen hat sie die Behebung erkannter Förderlücken im olympischen Leistungssport zum Auftrag. Sie soll die Bereitschaft von Bürgerinnen und Bürgern, gesellschaftlichen Gruppen und wirtschaftlichen Unternehmen zur Unterstützung des Nachwuchses im Leistungssport wecken und fördern.

Nordrhein-westfälische Stiftung zur Nachwuchsförderung im Leistungssport:

Sportstiftung NRW
Am Sportpark Müngersdorf 6 / IG 2
50933 Köln
Tel.: 0221 49826025