Früherkennungsleistungen für Ihre Gesundheit

Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als Fehlen von Krankheit. Dies umfasst ebenso unseren Lebensstil wie auch unser generelles Gesundheitsverhalten.

Ein wichtiger Aspekt des Gesundheitsverhaltens ist die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, zu denen z. B. diverse diagnostische Früherkennungsuntersuchungen gehören. In Deutschland gibt es für alle gesetzlich Krankenversicherten die Möglichkeit Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, welche die Krankenkassen übernehmen. Diese Leistungen sind neben weiteren im Sozialgesetzbuch (SGB V) fest geregelt.

Kindes- und Jugendalter

Früherkennungsuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter zielen darauf ab, den Gesundheits- und Entwicklungsstand des Kindes und eventuelle Störungen sowie Erkrankungen festzustellen. Seit 1991 gibt es bundesweit ein einheitliches Vorsorgeprogramm für Kinder, die sogenannten „U-Untersuchungen“, die zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen gehören. Hier gilt es Krankheiten und Störungen bereits frühzeitig zu erkennen. Bei Verdacht auf eine Krankheit, kann der Kinderarzt weiterführende diagnostische Maßnahmen und Therapien veranlassen.

Bereits Neugeborene werden beim Neugeborenen-Screening standardmäßig untersucht. Dazu gehören z. B. eine Blutuntersuchung und ein Hörscreening. Beide Check-ups sind freiwillig und werden von den meisten Kassen übernommen.

Für Informationen zu den U-Untersuchungen wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse oder an Ihren Kinderarzt. Weitere Informationen finden Sie auch im Internet unter www.kindergesundheit-info.de.

Impfungen

Impfungen gehören zu den Präventionsleistungen, welche die Kassen zum Teil übernehmen. Vereinzelte Kassen haben freiwillig weitere Impfungen ins Leistungsangebot aufgenommen, wie beispielsweise die Grippe-Impfung für unter 60-Jährige oder die HPV-Impfung (Humane Papillom Viren) nach dem 18. Geburtstag zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs. Die sogenannte Schutzimpfungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses hat festgelegt, welche Schutzimpfungen zu den Präventionsleistungen der Kassen gehören. Detaillierte Informationen rund um Impfungen, Impfempfehlungen sowie ein Impfkalender sind auf der Internetseite der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes einzusehen.

Präventionsleistungen: Was übernimmt die Krankenkasse?

Schutzimpfungen für 60+

Besonders für Personen höheren Alters ist das eigene Gesundheitsverhalten von hoher Bedeutung. Für diese zählen Impfungen bei einigen Krankenkassen ebenfalls zu den Vorsorgemaßnahmen und Leistungen. Für bestimmte Risikogruppen werden die sogenannten Indikationsimpfungen angeboten. Im Gegensatz zu Standardimpfungen werden Indikationsimpfungen nur bei bestimmten Personengruppen, wie zum Beispiel bei Kindern oder Senioren, aufgrund eines erhöhten individuellen Gesundheitsrisikos durchgeführt. Dazu zählt u. a. die Grippe-Impfung, die jährlich aufgefrischt werden sollte, sowie eine einmalige Impfung gegen Pneumokokken. Diese Bakterien können schwere Erkrankungen, wie Hirnhaut-, Lungen- oder Mittelohrentzündungen auslösen. Ob Ihre Kasse die Kosten übernimmt, können Sie dem jeweiligen Leistungskatalog entnehmen.

Krebsfrüherkennung

Vorsorgeuntersuchungen zur Krebs­früherkennung können Frauen ab einem Alter von 20 Jahren einmal jährlich in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich zunächst um eine gynäkologische Untersuchung, die darauf abzielt Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu diagnostizieren. Ab 30 Jahren gehört zur Krebsvorsorge auch das Abtasten von Brust und Achselhöhlen, um eventuelle Gewebeveränderungen zu ertasten. In einem ausführlichen Gespräch wird die Patientin zur regelmäßigen Selbstuntersuchung angeleitet. Bis zum 25. Lebensjahr ist es für Frauen ebenfalls möglich, sich auf Chlamydien untersuchen zu lassen. Ab 50 Jahren bis zum Ende des 70. Lebensjahres können Frauen alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening in Anspruch nehmen.

Männer haben erst ab dem 45. Lebensjahr die Möglichkeit jährlich Krebsfrüherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm sind die Abtastung der Geschlechtsorgane und der dazu gehörigen Lymphknoten in der Leiste vorgesehen. Der Arzt tastet zudem die Prostata vom Enddarm aus ab. Diese Vorsorgeuntersuchung sollte ab dem 45. Lebensjahr jährlich wahrgenommen werden.

Vorsorge ab 50

Nach dem 50. Lebensjahr sollte jährlich (bis 55 Jahre) eine Darmkrebsvorsorgeuntersuchung wahrgenommen werden. Dazu gehört die Untersuchung des Stuhls auf Blut­partikel sowie eine Tastuntersuchung des Enddarms. Ab 55 Jahren werden die Kosten für eine Darmspiegelung übernommen. Eine Wiederholung der Darmspiegelung wird mit Abstand von 10 Jahren empfohlen.

Check-up 35

„Check-up 35“ ist eine Gesundheitsuntersuchung für Frauen und Männer, die im Abstand von zwei Jahren durchgeführt werden kann. Dabei handelt es sich um relativ einfache und wenig belastende Untersuchungen, mit deren Hilfe Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes frühzeitig erkannt werden können.

Hautkrebs-Vorsorge

Seit dem 1. Juli 2008 gehört auch Hautkrebs-Screening zur kostenlosen Vorsorge für gesetzlich Versicherte. Diese Untersuchung ermöglicht eine Früherkennung von Hautkrebserkrankungen. Sie kann ab 35 Jahren alle zwei Jahre wiederholt in Anspruch gekommen werden.

Vor der Vorsorge

Auch wenn das Krebsrisiko erst mit dem Alter steigt, ist es wichtig, im jungen Alter auf die eigenen Körpersignale zu achten und bei Verdacht präventive Untersuchungen in Anspruch zu nehmen. Denn in Deutschland erkranken laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinischer Onkologie e. V. jährlich etwa 4.500 Patienten im Alter zwischen 15 und 39 Jahren neu an Krebs.

Bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sind es das maligne Melanom (der schwarze Hautkrebs) und im Alter zwischen 30 und 40 Jahren Brust- sowie Gebärmutterhalskrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankungen. Bei Männern zwischen 20 und 35 Jahren macht Hodenkrebs fast die Hälfte der Krebserkrankungen aus. Aus diesem Grund sind vor allem die selbst durchzuführenden Abtastuntersuchungen von Brust- und Hoden im jungen Alter von großer Wichtigkeit, um eventuelle Veränderungen zu ertasten.

Gesunder Lebensstil als Prävention

Im Allgemeinen gilt es, wer präventiv gegen Krebs vorgehen möchte, sollte auf Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin verzichten, Wert auf abwechslungs- und ballaststoffreiche Ernährung legen sowie Übergewicht vermeiden. Außerdem sollte man sich zur Vorbeugung von Hautkrebs keiner hohen UV-Belastung aussetzen, also einen entsprechenden Sonnenschutz verwenden. Für weitere Information befragen Sie Ihren Hausarzt oder wenden sich an die folgenden Kontakte.

Kontakt

Informationen zu Früherkennungsuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter

www.kindergesundheit-info.de

Ständige Impfkommission (STIKO)
Geschäftsstelle am Robert Koch-Institut
Tel.: 030 187540

www.stiko.de

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
Tel.: 030 184410

www.bmg.bund.de

IPF Infozentrum für Prävention und Früherkennung
Tel.: 030 20059940

www.vorsorge-online.de

GMR 15 • 2/2016 Text: Katharina Seher