Gastbeitrag aus der Praxis

Und dienstags immer Erbsensuppe?

Der Autor arbeitet als Qualitätsmanagementbeauftragter für die Städtische Seniorenheime Duisburg GmbH. Ihm war es ein Anliegen einmal nicht mit journalistischer Brille auf das Thema „Ernährung in einer Einrichtung“ zu schauen. Vielmehr sollte doch einmal „aus der Praxis“ über das Thema „Ernährung in Einrichtungen“ berichtet werden, et voilà:

Versorgung im Pflegeheim Duisburg

Familie Günter, 89 Jahre alt, vor drei Tagen in das Seniorenzentrum Duisburg-Großenbaum eingezogen, ist erleichtert: Wenn ihr wegen der steifen Gelenke mal etwas vom Essen herunter fällt, macht hier keiner ein Aufhebens darum. Die Tischgemeinschaft passt und falls etwas daneben geht, wird es vom Personal unauffällig aufgewischt. Obendrein schmeckt es wider Erwarten gut. Besonders heute fast wie daheim. Sie hatte eingewilligt, an der Kochgruppe teilzunehmen. Unterstützt von zwei Mitarbeiterinnen finden sich acht Damen und ein Herr, um Kartoffeln zu schälen, Gemüse zu putzen, Obst zuzubereiten und Dönekes zu erzählen. Nach abschließendem Aufräumen einigt sich die Gruppe fürs nächste Kochen auf Rosenkohl mit Kartoffeln und Frikadellen.

Beim Essen strahlt Emilie Günter derart, dass es die Mitarbeiterinnen entzückt. Sie sagt darauf: „Wissen Sie, ich dachte, in so einem Seniorenheim gibt es samstags Milchreis und vielleicht dienstags immer Erbsensuppe.“ Dass neben der wöchentlichen Kochgruppe der Speiseplan täglich drei Gerichte zur Auswahl bietet und hier Goldbarschfilet, Eier in Senfsauce, Mexikanischer Bohneneintopf mit Rauchfleisch neben dem vegetarischen Makhluta ma‘ Burghul mit Kichererbsen zu finden sind, macht Emilie Günter obendrein sprachlos. Von Letzterem habe sie noch nie gehört.

Mitarbeiterin Anne Kraus berichtet aus ihrer eigenen Erfahrung: „Also, ich arbeite nun seit 30 Jahren mit alten Menschen. Vieles hat sich seither verändert. Auch das Ernährungsbewusstsein. Heute befinden viele ältere Menschen nicht mehr, dass jedes Essen »gute Butter« braucht. Genau wie in der Nachbarschaft gibt es auch hier Vegetarier, oder Menschen, die laktosefrei essen müssen. Die Auswahl muss einfach größer sein als vor Jahren, weil die Geschmäcker vielfältiger geworden sind. Früher war es üblich, zum Beispiel eine Diät zu verordnen, heute hat die Entscheidung eines jeden, was, wie und wann er essen mag, Vorrang.“

Viele Senioreneinrichtungen bieten im Rahmen der Gemeinschaftsverpflegung einen offenen Mittagstisch an. Um sich zu überzeugen, wie es dort schmeckt, und ob die Atmosphäre gefällt, kann man sich ganz einfach mal anmelden und es ausprobieren. Guten Appetit!

Kontakt

Städt. Seniorenheim Curtius-Pilgrim-Stiftung Großenbaum
Zu den Wiesen 62
47269 Duisburg
Tel.: 0203 7100461
www.seniorenheime-duisburg.de

Text: Thomas Hecker