Ernährung und Nahrungsergänzung beim Sport

„Die Dosis macht das Gift“

Ein persönlicher Bericht

Pillen, Proteinpulver und dergleichen mehr – viele Sportler nehmen begleitend zu Diät und Training Nahrungsergänzungsmittel. Einer, der sich damit auskennt, ist der 29-jährige Tim Heitkötter, der seit über 13 Jahren vor allem Kraftsport betreibt und sich intensiv mit Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt. Er berät u. a. andere Sportler hinsichtlich ihrer Ernährung und gibt wertvolle Tipps. Wir haben uns mit ihm im Interview über die bewusste Auseinandersetzung mit Diäten, Nahrungsergänzung und Trends im Bereich Fitness und Sport unterhalten.

Tim Heitkötter

Wie wichtig ist dir das Thema Ernährung bzw. wie wichtig ist die Ernährung für dich als Kraftsportler?

Tim H.: Die Ernährung spielt beim Sport die wichtigste Rolle! Man kann trainieren wie man will, gibt man seinem Körper nicht was er braucht, wird sich dort auch nicht viel verändern. Man kann es in etwa mit dem Bau eines Hauses vergleichen: Du kannst der beste Handwerker der Welt sein – hat man nicht die richtigen Baustoffe, wird das mit dem Haus auch nichts.

Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel? Falls ja, welche sind das und was bewirken sie?

Tim H.: Persönlich setze ich auf Molke Protein, vielen auch bekannt als „Whey-Protein“. Dies hat eine sehr hohe biologische Wertigkeit und wird vom Körper sehr schnell aufgenommen. Davon trinke ich einen Shake direkt nach dem Aufstehen, sowie direkt nach dem Training, da hier der Körper ein schnell verfügbares Protein benötigt.

Vom sogenannten Mehrkomponenten-Eiweiß, welches oft als Mahlzeitenersatz eingesetzt wird, halte ich nicht viel, da man seinen Proteinbedarf besser mit natürlichen Lebensmitteln decken sollte. Es heißt ja auch Nahrungsergänzungsmittel und nicht Nahrungsersatzmittel.

Darüber hinaus nehme ich noch verzweigtkettige Aminosäuren (abgekürzt BCAA für Englisch „Branched-Chain Amino Acids“) zu mir. Diese essentiellen Aminosäuren dienen der Regeneration und wirken einem Muskelabbau entgegen. Viel mehr Nahrungsergänzungen nehme ich nicht, da es hauptsächlich auf das richtige Training plus Ernährung ankommt und die meisten „Wundermittel“ eben nur in der Werbung funktionieren.

Was isst du während deiner Trainingsphasen?

Tim H.: Überwiegend setze ich auf die Klassiker, wie Fleisch, Magerquark, Reis und Haferflocken, sowie Gemüse aller Art. Da ich sowohl im Aufbau sowie in der Diät überwiegend Proteine und Kohlenhydrate zu mir nehme, achte ich darauf, dass in meiner Ernährung gesunde Fette vorhanden sind, wenn überhaupt. Diese nehme ich in Form von Omega-3 Kapseln, Chia-Samen und Kokosöl zum Braten zu mir.

Wie sieht es mit gesundheitlichen Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln aus?

Tim H.: Nahrungsergänzungsmittel, die in der EU zugelassen sind, können gesunde Menschen meist ohne Bedenken zu sich nehmen. Allerdings sollte man nicht vergessen: „die Dosis macht das Gift“. An die Empfehlungen der Hersteller oder des Arztes sollte man sich halten.

Was rätst du anderen Sportlern, wovon rätst du ab?

Tim H.: Ganz klar rate ich davon ab, zu stark in ein Kaloriendefizit zu rutschen. Unser Körper ist von Natur aus nicht dafür geschaffen „gut“ auszusehen, sondern um zu überleben. Wir speichern Körperfett als Notreserve, für eine Hungerperiode. Wenn wir also jetzt zu stark unsere Nährstoffzufuhr herunterschrauben, signalisieren wir unserem Körper eine Notsituation. Als Reaktion darauf, stellt sich unser Stoffwechsel um und wir verbrennen nun vermehrt körpereigenes Muskelprotein, anstelle von Körperfett, was der Körper versucht zu halten wo er nur kann. Wir mindern also unsere körperliche Leistungsfähigkeit, bekommen schlaffe Beine, Arme und im Zweifel sogar Rückenprobleme. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gewichtsverlust nicht gleich Fettverlust ist. Wenn wir dann allerdings wieder beginnen „normal“ zu essen oder über die Stränge schlagen, tritt der bekannte „Jo-Jo-Effekt“ ein. Unser Körper braucht sehr lange, um den Stoffwechsel wieder zu normalisieren und alles, was wir bekommen, versucht der Körper nun zu speichern. Empfehlung: Jeder der Kalorien zählen möchte, kann seinen ungefähren Verbrauch etwa mittels eines Online-Rechner ermitteln. Wenn man von diesem Wert ca. zehn Prozent abzieht, hat man eine gute Basis, um eine Diät zu beginnen. Von hier aus kann man sich Woche für Woche rantasten.

In Bezug auf Diät werde ich sehr häufig auf Fatburner angesprochen. Diese funktionieren nicht! Sie regen die Fettverbrennung minimal an, allerdings nur dann, wenn man sich dementsprechend auch ernährt. Das Mittel alleine bewirkt keinen Unterschied und das Geld kann man sich sparen.

Danke für das Gespräch!

Kontakt

Tim Heitkötter
www.instagram.com/tim.whatever

 

Anm. d. Redaktion:

Ergänzungspräparate können eine ungesunde Ernährung nicht ausgleichen. Ausnahmen können beispielweise sein: in der Schwangerschaft oder bei chronischen Erkrankungen. In welchen Fällen die Nahrungsergänzung sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Apotheker.